Mensch und Kleidung gehören schon sehr lange zusammen. Warum der Mensch sich kleidet, darauf gibt es verschiedene Antworten. Kleidung schützt vor Kälte, Hitze, Verletzungen und verhüllt die Schamteile. Die erste Kleidung der Menschheit bestand wohl aus dem Fell erlegter Tiere und pflanzlichen Fasern, die der Mensch sehr bald zu bearbeiten begann. Er begann Kleidung herzustellen, in verschiedenen Formen, Farben und Mustern, Körperbedeckungen,die weit mehr Zwecken dienten als nur den Körper gegen Witterung zu schützen. Schon von Anfang an dürfte ein besonders schönes Fell auch als Schmuck und Auszeichnung gedient haben. Die Stärkeren, Erfolgreicheren und Tapfereren trugen kostbarere und später auch sorgfältiger hergestellte Kleidung als die anderen.
Die Kleidung signalisierte damit schon sehr früh die Stellung, die ein Mensch in der Gesellschaft hatte. Sie war Schutz, Schmuck und soziales Unterscheidungsmerkmal in einem. Auch die Tatsache, dass viele Völker ihre Körper bemalten und tätowierten, zeigt, dass Menschen gerne ihre Körper verschönen und schmücken. Schon in den Gräbern aus Steinzeit hat man Hinweise auf Körperbemalung entdeckt.
Auch benutzten Menschen schon früh Accessoires wie Ketten, Ringe, Steine, Muscheln und Perlen, um sich damit zu behängen. Wir können heute in Museen die unterschiedlichsten Schmuckstücke aus den verschiedenen Epochen bewundern. Schmuck wurde zu allen Zeiten hergestellt und war den Menschen wichtig, obwohl er im Sinne der Definition keinen eigentlichen Nutzen hat.
Als Charles Darwin bei einer Expedition nach Feuerland den dortigen Eingeborenen Kleidungsstücke anbot, nahmen diese das Geschenk zwar dankend an, aber nur, um dann die Kleidung sorgfältig zu zerreißen und die Fetzen als Schmuck zu verwenden. Eng verbunden mit der Schmuckfunktion von Kleidung, Tätowierungen und anderem Körperschmuck ist die magische Bedeutung, die Menschen damit verbanden. Kleidung und Schmuck hatten oft einen Fetisch- und Amulettcharakter, sollten den Träger vor bösen Einflüssen schützen und ihm Stärke und Macht verleihen.
Bis in unsere Zeit finden sich viele Beispiele vom magischen Gebrauch der Kleidung und das nicht nur bei sogenannten exotischen Völkern. Zum Beispiel werden Prüflingen häufig Schmuckstücke als Glücksbringer mitgegeben. Manche Sportler, wie Björn Borg in den 80ern, treten zu Wettkämpfen immer im selben Hemd an, in dem sie noch nicht verloren haben.
Die Bedeutung von Kleidung erschöpft sich also keineswegs in bloßer Zweckmäßigkeit. Auch die „Schamhypothese“, dass Kleidung nur eine Art Weiterentwicklung des Feigenblattes ist, kann die Frage nach dem Zweck menschlicher Kleidung nicht ausreichend beantworten. Das Schamgefühl ist eher eine Folge der Bekleidung und nicht ihr ursprüngliches Motiv. Erst als sich Menschen an Bekleidung und bedeckte Körper gewöhnt hatten, fing man an sich der Nacktheit zu schämen. Welche Körperteile allerdings um des Anstands willen zu verhüllen sind, ob das unbedeckte Gesicht, die Zurschaustellung von Haaren, Po oder Busen verwerflicher ist , sehen verschiedene Kulturen oft sehr unterschiedlich.
Kleidung dient manchmal auch weniger der Verhüllung als der Betonung bestimmter Körperteile. Erotik und Transport sexueller Symbolik gehören mit zu den ältesten Motiven des sich kleidenden Menschen. Das kann dezent oder in offensichtlicher Form geschehen, je nach Zeit, Kultur und Situation. Bei manchen Stämmen in Südamerika und Afrika ist z.B. für die Männer eine Art „Penisfutteral“ üblich, das zwar einerseits vor Verletzungen schützt, andererseits aber auch den Penis gleichsam in Dauererektion optisch verlängert.
Im europäischen Mittelalter fanden sich viele Kleidungsbeispiele, die ähnlich deutliche Signale sendeten. So war bei Landsknechten die Schamkapsel beliebt, die dick ausgestopft und grell gefärbt, enge Männerhosen schmückte. Der Bischof Musculus aus Frankfurt klagte 1555: „Unsere jungen Kumpane lassen den Latz vorn mit dem Höllenfeuer und dem Lappen über die Maßen groß machen, so daß der Teufel darin sitzt und zu allen Seiten hinaus schaut, allein zum Ärgernis und bösen Beispiel, ja zur Verlockung und Verführung armer, wahnsinniger und unschuldiger Mädchen.“Auch die Schnabelschuhe dieser Zeit waren von beindruckender Länge und zuweilen direkt als Phallus gestaltet. Zu allen Zeiten standen Männern und noch mehr den Frauen ein reichhaltiges Repertoire an Kleidungstricks zur Verfügung, um Körperteile zu betonen und eine erotische Wirkung zu erzielen.